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Ratgeber

Kupfer von der Aufnahme im Darm bis zur Atmungskette

Dieser Text folgt einem einzigen Metall durch den menschlichen Stoffwechsel: von den Transportproteinen der Darmwand über die Ferroxidase-Reaktion im Blutplasma bis zu den Kupferzentren im letzten Komplex der Atmungskette. Vier zugelassene Angaben der Europäischen Union werden dort zitiert, wo das zugehörige Enzym beschrieben wird.


Ein halbes Gramm, verteilt auf den ganzen Organismus

Der Gesamtbestand an Kupfer im Körper eines Erwachsenen wird auf 50 bis 120 Milligramm geschätzt. Damit gehört Kupfer zu den Spurenelementen — zu jener Gruppe von Mineralstoffen also, von denen der Organismus weniger als 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht enthält. Die geringe Menge sagt nichts über die biochemische Reichweite aus: Kupfer ist Bestandteil von mehr als einem Dutzend Enzymen.

Wo Kupfer im Körper gespeichert wird

Die Verteilung ist ungleichmäßig. Skelettmuskulatur und Knochen halten mengenmäßig den größten Anteil, weil sie das meiste Gewebe stellen. Bezogen auf das Gewicht des einzelnen Organs sind Leber und Gehirn jedoch am dichtesten mit Kupfer belegt.

GewebeAnteil am Gesamtbestand (ca.)Bemerkung
Skelettmuskulatur25–40 %große Masse, mittlere Dichte
Knochen15–25 %langsamer Austausch
Leber8–15 %zentrales Verteilorgan
Gehirn8–10 %höchste Dichte pro Gramm
übrige GewebeRestNiere, Herz, Blut, Haut

Schätzwerte aus der ernährungsphysiologischen Fachliteratur; die Angaben schwanken je nach Untersuchungsmethode.

Aufnahmequote und die Rolle des Dünndarms

Kupfer wird überwiegend im Duodenum und im oberen Jejunum resorbiert. Der aufgenommene Anteil ist nicht fest, sondern passt sich der Zufuhr an: Bei einer sehr geringen täglichen Menge kann der Anteil über die Hälfte betragen, bei hoher Zufuhr sinkt er auf einen Bruchteil davon. Diese Anpassung ist der Hauptgrund dafür, dass die Kupferbilanz beim gesunden Menschen über einen weiten Zufuhrbereich ausgeglichen bleibt.

Der Weg in die Zelle führt über den Transporter CTR1 an der Bürstensaummembran. Innerhalb der Zelle wird das Ion nicht freigelassen, sondern von Chaperonen übernommen — ATOX1 für die Transport-ATPasen, CCS für die Superoxiddismutase, COX17 für die Mitochondrien. Die Ausscheidung erfolgt fast ausschließlich über die Galle; die Nieren spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.


Die Oxidation, ohne die Eisen nicht reisen kann

Der bekannteste Berührungspunkt zwischen Kupfer und Eisen ist eine chemisch unscheinbare Reaktion: die Umwandlung von zweiwertigem in dreiwertiges Eisen. Sie ist notwendig, weil das Transportprotein Transferrin nur die dreiwertige Form bindet. Katalysiert wird sie von zwei kupferhaltigen Enzymen.

Coeruloplasmin: sechs Kupferatome an einem Glykoprotein

Coeruloplasmin wird in der Leber gebildet und trägt sechs fest gebundene Kupferatome. Es bindet etwa 95 % des Kupfers, das im Blutplasma zirkuliert. Historisch wurde es als reines Transportprotein beschrieben; heute gilt seine Ferroxidase-Aktivität als die eigentliche Funktion. Das Enzym oxidiert Eisenionen, sobald sie aus den Speicherzellen ins Plasma gelangen, und übergibt sie damit an Transferrin.

„Kupfer trägt zu einem normalen Eisentransport im Körper bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Hephaestin an der basolateralen Membran der Enterozyten

Im Darm übernimmt ein verwandtes Enzym dieselbe Aufgabe. Hephaestin sitzt membrangebunden auf der Blutseite der Darmzelle, unmittelbar neben dem Eisenexporter Ferroportin. Sobald Eisen die Zelle verlässt, wird es dort oxidiert und kann in den Kreislauf eintreten. Beide Enzyme, das lösliche im Plasma und das membrangebundene im Darm, brauchen Kupfer in ihrem aktiven Zentrum.

Beschrieben wurde dieser Zusammenhang bereits in den 1920er-Jahren: In Ernährungsversuchen an Tieren genügte Eisen allein nicht, um die Blutbildung wiederherzustellen — erst zusammen mit Kupfer stellte sich der erwartete Verlauf ein. Spätere Arbeiten am Menschen bestätigten die Beteiligung der kupferhaltigen Ferroxidasen.


Kupferzentren in Mitochondrien und Nervenzellen

Zwei weitere zugelassene Angaben lassen sich auf konkrete Enzyme zurückführen. Beide sitzen an Orten, an denen viel Energie umgesetzt oder viel Signal übertragen wird.

Cu A und Cu B im Komplex IV der Atmungskette

Die Cytochrom-c-Oxidase bildet den Abschluss der mitochondrialen Atmungskette. Sie enthält zwei Kupferzentren, die in der Literatur als Cu A und Cu B geführt werden, sowie zwei Häm-Gruppen. Elektronen, die vom Cytochrom c herangetragen werden, laufen über diese Zentren auf molekularen Sauerstoff zu, der zu Wasser reduziert wird. Der dabei aufgebaute Protonengradient treibt die ATP-Synthase an.

Rund neun Zehntel des eingeatmeten Sauerstoffs werden an dieser Stelle verbraucht. Herzmuskel, Skelettmuskulatur und Nierenrinde enthalten besonders viele Mitochondrien und damit besonders viele dieser Kupferzentren.

„Kupfer trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Der Schritt von Dopamin zu Noradrenalin

In den Speicherbläschen noradrenerger Neurone arbeitet die Dopamin-β-Hydroxylase. Sie hängt an das Dopaminmolekül eine Hydroxylgruppe an und macht daraus Noradrenalin. Pro Untereinheit trägt das Enzym zwei Kupferatome, die beim Elektronenübergang zwischen den Oxidationsstufen wechseln.

Ein zweites kupferabhängiges Enzym des Nervengewebes ist die Peptidylglycin-α-amidierende Monooxygenase. Sie versieht Neuropeptide mit einer Amidgruppe am Ende der Kette — ohne diesen Schritt bleiben viele Peptide biologisch stumm. Die Dichte kupferhaltiger Enzyme ist im Gehirn entsprechend hoch.

„Kupfer trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012


Das Redoxpaar und seine Kontrolle

Kupfer ist ein Übergangsmetall und wechselt ohne großen Energieaufwand zwischen zwei Oxidationsstufen. Diese Beweglichkeit ist der Grund, warum es als Katalysator taugt — und zugleich der Grund, warum der Körper es niemals frei herumliegen lässt.

Superoxiddismutase 1 und die Dismutationsreaktion

Bei jeder Zellatmung entweichen einzelne Elektronen aus der Atmungskette und bilden mit Sauerstoff das Superoxid-Radikal. Die Superoxiddismutase 1 im Zytosol setzt zwei dieser Radikale zu Wasserstoffperoxid und Sauerstoff um. Das Kupferion im aktiven Zentrum nimmt dabei zunächst ein Elektron auf und gibt es im zweiten Halbschritt wieder ab. Katalase und Glutathionperoxidase bauen das entstandene Wasserstoffperoxid anschließend weiter ab.

„Kupfer trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Metallothionein als Puffer für ungebundene Ionen

Metallothioneine sind kleine, schwefelreiche Proteine in der Darmwand und in der Leber. Sie binden überschüssige Metallionen und halten sie fest, bis die Zelle abgestoßen oder das Metall über die Galle abgegeben wird. Ihre Bildung wird durch die Zufuhr von Metallionen selbst angestoßen — ein Regelkreis, der die Aufnahmequote im Darm mitbestimmt.

Neben den bereits genannten Enzymen sind weitere Cuproenzyme beschrieben: die Lysyloxidase, die Kollagen- und Elastinfasern im Bindegewebe quervernetzt, und die Tyrosinase, die den ersten Schritt der Melaninbildung katalysiert. Beide zeigen, wie weit das Einsatzfeld dieses Metalls reicht.


Referenzwert, Lebensmittel und was die Aufnahme beeinflusst

1,0 mg pro Tag — der Nutrient Reference Value

Auf Etiketten von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln wird der Kupfergehalt in Prozent eines Referenzwerts angegeben. Dieser Wert stammt aus Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 und beträgt für Kupfer 1,0 Milligramm pro Tag. Er ist ein Kennzeichnungswert für die durchschnittliche erwachsene Bevölkerung, keine individuelle Empfehlung.

BezugsgrößeWert
Referenzwert nach Verordnung (EU) Nr. 1169/20111,0 mg pro Tag
Geschätzter Gesamtbestand im Körper50–120 mg
Anteil des Plasmakupfers an Coeruloplasminca. 95 %
Hauptausscheidungswegüber die Galle
Ort der ResorptionDuodenum und oberes Jejunum

Kupfergehalte ausgewählter Lebensmittel

Innereien liegen mit großem Abstand an der Spitze. Danach folgen Kakaoerzeugnisse, Ölsaaten und Nüsse. Die Werte schwanken je nach Herkunft, Sorte und Zubereitung, weshalb sie hier als Spannen angegeben sind.

LebensmittelKupfergehalt (ca. pro 100 g)
Rinderleber, gegart9,0–12,0 mg
Kalbsleber, gegart5,0–7,0 mg
Kakaopulver, stark entölt3,5–4,0 mg
Austern1,5–4,5 mg
Cashewkerne2,0–2,2 mg
Sonnenblumenkerne1,7–1,9 mg
Sesamsamen1,5–1,6 mg
Zartbitterschokolade (70 %)1,0–1,8 mg
Haselnüsse1,2–1,4 mg
Linsen, getrocknet0,7–0,8 mg
Haferflocken0,4–0,5 mg
Champignons, roh0,3–0,5 mg

Fördernde und hemmende Faktoren im Darm

Wie viel Kupfer aus einer Mahlzeit tatsächlich in den Kreislauf gelangt, hängt von der Zusammensetzung der Mahlzeit ab. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was in Resorptionsstudien beobachtet wurde.

FaktorRichtungHintergrund
Geringe Gesamtzufuhrerhöht den resorbierten Anteilkörpereigene Anpassung im Darm
Organische Säuren aus Obst und Gemüseerhöht den resorbierten Anteilbessere Löslichkeit im Darmlumen
Dauerhaft hohe Zinkzufuhrsenkt den resorbierten AnteilBildung von Metallothionein in der Darmwand
Sehr hohe Eisendosensenkt den resorbierten AnteilKonkurrenz an gemeinsamen Transportwegen
Phytate aus Getreide und Hülsenfrüchtensenkt den resorbierten AnteilBindung des Ions im Darminhalt
Molybdän und Sulfide in großer Mengesenkt den resorbierten Anteilschwer lösliche Komplexe

Kupfer im EU-Register, wörtlich

  1. „Kupfer trägt zu einem normalen Eisentransport im Körper bei“
    Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
  2. „Kupfer trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“
    Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
  3. „Kupfer trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“
    Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
  4. „Kupfer trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
    Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Der Wortlaut ist unverändert wiedergegeben. Jede Abwandlung, Kürzung oder Zuspitzung dieser Sätze wäre nach europäischem Lebensmittelrecht unzulässig.


Was uns zu Kupfer gefragt wird

Wie unterscheidet sich das an Coeruloplasmin gebundene Kupfer vom freien Serumkupfer?

Der weit überwiegende Teil des Plasmakupfers steckt fest im Coeruloplasmin und ist dort katalytisch eingebunden. Der kleine Rest zirkuliert locker an Albumin und einzelne Aminosäuren gebunden und gilt als die austauschbare Fraktion. Laborbefunde geben in der Regel das Gesamtkupfer und die Coeruloplasmin-Konzentration getrennt an; die Bewertung gehört in ärztliche Hand.

Warum steht auf Präparaten 1,0 mg und nicht mehr?

Weil 1,0 mg der Referenzwert aus Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 ist. Prozentangaben auf dem Etikett beziehen sich immer auf diesen Wert. Er beschreibt eine Kennzeichnungsgröße für die Allgemeinbevölkerung und ersetzt keine individuelle Bedarfsermittlung.

Was bedeutet es juristisch, wenn eine Angabe „zugelassen“ ist?

Die EFSA prüft die eingereichte Studienlage und gibt ein wissenschaftliches Gutachten ab. Auf dieser Grundlage entscheidet die Europäische Kommission, ob ein Satz in die Unionsliste aufgenommen wird. Steht er dort, darf er im Handel verwendet werden — aber nur genau so, wie er formuliert wurde. Er beschreibt einen Beitrag zu einer normalen Körperfunktion und keine Wirkung gegen eine Krankheit.

Deckt eine gewöhnliche Mischkost den Referenzwert ab?

Nüsse, Ölsaaten, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und Kakaoerzeugnisse liefern nennenswerte Mengen; wer diese Gruppen regelmäßig isst, kommt der Größenordnung von 1,0 mg nahe. Ob das im Einzelfall zutrifft, hängt von Essgewohnheiten, Zubereitung und weiteren Faktoren ab und lässt sich nur individuell beurteilen.

Warum ein kostenpflichtiger Ratgeber, wenn das EU-Register öffentlich ist?

Das Register nennt die zulässigen Sätze, erklärt aber nicht die Biochemie dahinter. Der Ratgeber ordnet jede Angabe dem Enzym zu, aus dem sie hervorgeht, führt die zugehörigen Quellen auf und stellt die Laborparameter zusammen, mit denen der Kupferstatus in Studien erfasst wird. Wer sich die Recherche selbst zutraut, braucht ihn nicht.


Der vollständige Ratgeber als Download

Was hier gekürzt steht, finden Sie dort ausführlich: Enzymprofile mit Strukturangaben, die Messverfahren für den Kupferstatus und eine Lebensmittelliste mit rund vierzig Einträgen.

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